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Im schönsten Wiesengrunde

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Die Bärenmühle um 1914

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Die Bärenmühle heute

„Ein frey adelig, der Ritterschaft steuerbares Haus, worin eine oberschlächtige Mahlmühle, die Bärenmühle genannt, nebst Hofraum und Stallung dabey unterm Bärenbach.“

 

Aus dem Lager-, Stück- und Steuerbuch von Ellershausen, 1774

 

Die Bärenmühle ist eine der fünf historischen Mühlen des Lengeltales bei Ellershausen, unweit von Bad Wildungen und Frankenberg im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Im schönsten Wiesengrunde liegt sie da, in majestätischer Abgeschiedenheit, vom Rauschen des Baches und der Bäume umweht. Einstmals drehten sich hier zwei Wasserräder, von denen eines den Mahlgang der Kornmühle antrieb, das andere das Schlagwerk einer Ölmühle – die Bärenmüller produzierten Mehl und Öl.

 

Im 16. Jahrhundert wurde die Bärenmühle erstmals urkundlich erwähnt, freilich stand sie damals schon „länger als Menschengedenken“, wie es in dem alten Dokument heißt. Zeitweise gehörten die Mühlen im Lengeltal zum Zisterzienserkloster Haina, das etwa zehn Kilometer weiter südwestlich gelegen ist. Ein Klosterdokument von 1201 führt die bachaufwärts gelegene Lengelmühle als „molendinum lengelen“ auf. Nach einer Urkunde von 1215 standen das Kloster Haina, die Lengelmühle sowie vier weitere Mühlen zeitweise unter dem Einflussbereich des Erzbischofs von Mainz.

 

Wie lange dies so blieb, ist nicht bekannt. Im Jahr 1587 gehörte ein Teil der Gehöfte, darunter auch die Bärenmühle, einer Adelsfamilie, die auf einer Wasserburg in Ellershausen residierte. Die Mühlen waren verpachtet, und das Leben dort galt als sehr beschwerlich. In der Mahlstube kam es immer wieder zu tödlichen Unfallen, auch wurden die Mühlenbewohner von gefährlichen Krankheiten dahingerafft – im Winter 1629 etwa durch die Pest. Und dann gab es da noch die Kriege. Nach alten Dokumenten beklagte der Bärenmüller 1640, gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, den Verlust von zwei Kühen, drei Zugochsen, zwei Eseln, vier Schweinen, einer Ziege und eines Bienenstockes – kaiserliche Truppen hatten die Tiere mitgenommen oder gleich an Ort und Stelle getötet.

 

1735 heiratete Anna Elisabeth Martron in die Bärenmühle ein. Die Familie der jungen Frau stammte aus dem südfranzösischen Dorf Menglon bei Die im Tal der Drôme, von wo die Eltern als Glaubensflüchtlinge nach Nordhessen gekommen waren. Am Hang des Lengeltals lebten sie in der sogenannten Klause, einem Gehöft, das zu der 1688 von anderen Hugenotten gegründeten Siedlung Louisendorf gehörte. Anna Martrons Vater war Bauunternehmer, mag sein, dass er das in französischem Stil aus Feldsteinen errichtete Stallgebäude der Bärenmühle baute – wir nennen es heute das Hugenottenhaus.

 

Die Mühlräder der Bärenmühle sind seit längerem abgebaut, die idyllische, naturnahe Lage ist geblieben. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts hatte der damalige Landrat Heinrich Kohl das Gehöft gekauft und gründlich restauriert. Seine Frau eröffnete in den 60er Jahren eine kleine Pension darin, die sich schnell zu einem Geheimtip vor allem in Berlin und Bonn entwickelte. Ob Schauspielerinnen, Ministerialbeamte oder ein Regisseur – die Gäste genossen die frische Luft im Tal.

 

Heute können Sie in dem geschichtsträchtigen Anwesen Urlaub machen. Vom nächsten Ort, dem beschaulichen Dorf Ellershausen, ist das Gehöft etwa einen Kilometer entfernt. Abseits der Trampelpfade finden hier Natur- und Sportsfreunde ebenso ihr Vergnügen wie Hobby-Historiker und Heimatforscher.